Fiese Formulierungen im Arbeitszeugnis: Das musst Du wissen!

Von: Tobias Jost

Gründer / CEO von KARRIEREGURU

Arbeitszeugnisse können ziemlich tricky sein. Die Gefahr ist groß, dass du dir beim Lesen denkst:

„Wow, ich hatte ja richtige Fans in dem Unternehmen“…

Aber nicht selten verbirgt sich dahinter – ein eher mieses Urteil, eine schlechte Note oder eine geheime Botschaft, die deinem zukünftigen Arbeitgeber sagen soll: „VORSICHT VERSAGER AM START!“ 

Mehr als 10.000 Prozesse gibt es jedes Jahr an deutschen Arbeitsgerichten, wegen solcher zweideutigen Formulierungen.  
Um es aber soweit nicht kommen zu lassen, erkläre ich dir im Folgenden was sich hinter gängigen Floskeln verbirgt und wie du die Codes der Zeugnissprache richtig entschlüsselt. 

Was zum Teufel?!

Bevor wir uns diesen fiesen Formulierungen widmen, fragst du dich bestimmt auch: Warum gibt’s die eigentlich? 

Zunächst musst du wissen, dass es das sogenannte „einfache“ und „qualifizierte Arbeitszeugnis“ gibt. Bei einem qualifizierten Arbeitszeugnis wird im Gegensatz zum einfachen, nicht nur deine geleistete Arbeit bewertet, sondern auch deine Arbeitsweise und deine Sozialkompetenz – ergo – Leistung & Verhalten. 

Das qualifizierte Arbeitszeugnis ist in Deutschland per Gesetz vorgeschrieben. Also auch wenn dein Arbeitgeber ziemlich lazy ist, hast du immer ein Anrecht darauf! Allerdings hat das Unternehmen dafür bis zu vier Wochen Zeit. 
Für beide Zeugnisarten gilt jedoch: negative Beurteilung sind NICHT erlaubt.  

Tja – aber hier wurde die Personalbranche zum ersten Mal richtig kreativ. Durch das gesetzliche Verbot hat man nämlich Tricks und Wege gefunden, um dich indirekt zu kritisieren. Fiese Formulierungen findest du daher nicht nur in Zeugnissen – es sind Botschaften mit denen eine ganze Branche in einer eigenen Sprache spricht.  

Gegen die meisten Zeugniscodes und Formulierungen kannst du dich juristisch zur Wehr setzen…Außer jedoch bei Fehlverhalten – wie zum Beispiel Untreue oder Diebstahl. Wenn dein Arbeitgeber dafür Beweise vorlegen kann, müssen solche Hinweise sogar im Arbeitszeugnis enthalten sein. 

Andererseits solltest du auch nicht jedem Unternehmen unterstellen, dass es Tricks verwendet oder dir etwas Böses will. Vor allem kleine Firmen und Startups arbeiten manchmal gern mit Mustervorlagen und sind unwissend, sodass diese Codes unabsichtlich auftauchen. 

Ich will dir damit keinen Schrecken einjagen. Dein Ziel als Berufseinsteiger sollte es sein – dein Arbeitsverhältnis so harmonisch wie möglich – zu beenden und immer persönlich mit deinen alten Chefs oder zuständigen Personalern darüber sprechen.  

Deswegen gibt es erstmal zwei gut gemeinte Pro-Tipps von mir: 

  1. Tipp: Fordere dein Arbeitszeugnis fristgerecht an! Erwähne das Zeugnis am besten schon während deines Kündigungsgesprächs. So kannst du eventuell bei der Erstellung behilflich sein – noch während du die letzten Tage auf Arbeit fristest. Solltest du dann unzufrieden mit dem Resultat sein (weil zum Beispiel Tätigkeiten fehlen), kannst du direkt das persönliche Gespräch suchen und um eine Änderung bitten. 
  1. Tipp: Du hast ein Anrecht auf Korrektur. Sei es ein formaler Fehler oder eine unvorteilhafte Formulierung – wenn du einen Nachweis erbringen kannst, muss dein Arbeitszeugnis geändert werden. Lass dir bitte nichts anderes einreden. 

Tabus

Auch gibt es einige Tabus die im Arbeitszeugnis nicht enthalten sein dürfen, zum Beispiel: 

  • Zugehörigkeit zu einer Religion, Partei oder Ethnie
  • Mitgliedschaft im Betriebsrat oder Gewerkschaft
  • Krankheiten/Schwerbehinderung
  • Fehlzeiten (es sei denn, du hast dadurch das Arbeitsverhältnis belastet)
  • Genaue Gehaltsangaben
  • Schwangerschaft, Mutterschutz oder Erziehungsurlaub
  • Nebentätigkeiten (es sei denn, du hast gegen den Arbeitsvertrag verstoßen)
  • Laufende oder abgeschlossenen Verfahren gegen dich 

Struktur

Der Aufbau eines Arbeitszeugnis besteht aus neun Paragraphen und sieht so aus:  

  1. Überschrift
  2. Einleitung
  3. Unternehmensbeschreibung
  4. Tätigkeitsbeschreibung
  5. Leistungsbeschreibung
  6. Verhaltensbeurteilung
  7. Beendigungsgrund
  8. Schlussformel
  9. Ausstellungsdatum / Unterschrift

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4.5/5

Formulierungstechniken

Beginnen wir nun mit dem „Entschlüsseln“ geheimer Codes und Formulierungen in Arbeitszeugnissen. Besonders schwer zu entdecken sind die folgenden Code-Techniken:

1. Verneinungen bzw. Negationstechnik

Während in der Umgangssprache eine „doppelte Verneinung“ die Aussage verstärken soll (z.B. “nicht unerheblich” = also wichtig), bewirkt sie in der Zeugnissprache eine Abwertung. „Doppelte Verneinungen“ führen also nicht zu einer positiven Bewertung. 

Zum Beispiel: 

  • “seine Initiative war nicht zu beanspruchen” oder
  • „es gab keinen Anlass zu Beanstandungen”

….dann war dein Verhalten aber offensichtlich auch nicht lobenswert, sonst hätten man es erwähnt.  

2. Widersprüche

Wenn zum Beispiel „Dankes- oder Zukunftswünschen“ fehlen, kann das Arbeitszeugnis trotz einer guten Bewertung deiner Leistung unglaubwürdig erscheinen. Heißt, wenn zum Beispiel am Ende erwähnt wird:  

  • “Wir wünschen Herrn oder Frau XYZ für die Zukunft alles Gute.”

…dann ist das ein positives Zeichen für ein gutes Arbeitsverhältnis. Ist der Wunsch nicht enthalten, ist das eher ein Indiz dafür, dass dein Arbeitsverhältnis wohl nicht so gut war. Hierauf gehe ich später näher ein… und die dritte Technik.

3. Selbstverständlichkeiten bzw. Ausweich-Technik

Wenn Selbstverständliches oder Unwichtiges sehr betont wird, fehlte es meistens an anderer Stelle. Du musst also nicht nur darauf achten, WIE deine Leistung beurteilt werden, sondern vor allem WELCHE Leistung drinstehen. Je mehr unwichtige Tätigkeiten auftauchen, desto schlechter das Zeugnis – auch wenn es gut klingt. Zum Beispiel, wenn du als Grafikerin gesagt bekommst:

  • „(…) sehr lobenswert war ihr sparsamer Umgang mit Büromitteln“ – 

… dann hast deinen Job nicht nur mies gemacht, sondern auch ohne Kreativität.

4. Reihenfolge:

Wenn es zum Beispiel heißt: 

  • „Er pflegte ein tadelloses Verhalten gegenüber Kollegen, Kunden und Vorgesetzten“

Klingt erstmal nicht schlecht, aber weil der Vorgesetzte hierarchisch an erster Stelle stehen sollte, ist das de facto ein Geheimcode für: „Er hatte Probleme mit Autoritäten.“ 

5. Beredtes Schweigen“ bzw. Leerstellentechnik

Hierbei wird auf eine zu erwartende Aussage verzichtet. Zum Beispiel:

  • “Das Verhalten gegenüber Kollegen war einwandfrei” oder
  • „er besaß viel Ehrlichkeit“

Hier fehlen die Vorgesetzten, gegenüber denen das Verhalten also wohl weniger gut war. Oder aber es fehlt an Hinweisen zu deinem Fachwissen, was wiederum auf mangelhafte Kenntnisse schließen lässt. Wer kann schon was mit „Ehrlichkeit“ anfangen. 

6. Passive Formulierungen bzw. Passivierungstechnik

Passiver Satzbau kann auf die Unselbstständigkeit des Mitarbeiters hindeuten. Jeder Arbeitgeber erwartet von seinen Mitarbeitern ja eine gewisse Eigeninitiative. Wenn nun aber keine aktiven, sondern ausschließlich passive Formulierungen im Zeugnis stehen, bedeutet das, dass du nur auf Anweisung gehandelt hast und ansonsten halt passiv und faul warst. Zum Beispiel:

  •  „Herrn XYZ wurden die Aufgaben übertragen.“ oder 
  • „Er wurde für folgende Tätigkeiten eingesetzt: …“ 

Du merkst, auch wenn das alles sachlich richtig ist, hört sich das nicht sehr engagiert an. Heißt, aktive Formulierungen zeigen Eigeninitiative, passive Formulierungen dagegen eher Faulheit.

Ziemlich gewitzt, oder? Aber Achtung – es geht noch weiter! Die Liste ist länger, als du dir vorstellen kannst – und hinzu kommt sogar noch ein verschlüsseltes Notensystem, mit dem deine Leistung und dein Verhalten bewertet werden. Stichwort: Zufriedenheit. 

Hier ein Beispiel:

  • Note 1: “Er erledigte seine Aufgaben stets selbstständig mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit.”
  • Note 2: “Sie erledigte die Aufgaben mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit.”
  • Note 3: “Er erledigte die zugeteilten Arbeiten systematisch und zufriedenstellend.” 
  • Note 4: “Sie konnte die ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigen.” 
  • Note 5: “Er hat sich bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden.”

 

Und jetzt nochmal zum Mitschreiben: 

  • (Note 1Sehr gut bedeutet „Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“
  • (Note 2) Sehr gut bis gut bedeutet „Stets zu unserer vollen Zufriedenheit“
  • (Note 3Befriedigend bedeutet „Zu unserer vollen Zufriedenheit“
  • (Note 4) Ausreichend bedeutet „Zu unserer Zufriedenheit“
  • (Note 5) Mangelhaft bedeutet „Im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit“
  • (Note 6) Ungenügend bedeutet „bemühte sich, die ihm/ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen.“

Ist dir etwas aufgefallen? Achte immer auf das Wort „stets“ und die Verwendung von Superlativen, also „äußerster“ oder „vollsten“ – diese Indizien sprechen immer für ein sehr gute Bewertung.
Lass uns nun Schritt für Schritt einige verschlüsselte Formulierungen durchgehen, die sich auf deine Leistung und Verhalten beziehen und sie mit den Notensystem gleichsetzen. 

Verschlüsselte Formulierungen im Bezug zum Notensystem

1. Leistungsbeurteilung

Verschlüsselte Formulierungen:

Er war bei Kunden schnell beliebt.“ ➠ Heißt: Du hast zu viele und zu schnelle Zugeständnisse gemacht.

Sie machte sich mit großem Elan an die ihr übertragenen Aufgaben.“ ➠ Heißt: Du hast die Aufgaben gemacht, aber super chaotisch!

Sie setzte sich im Rahmen ihrer Fähigkeiten ein.“ ➠ Heißt: Du warst offensichtlich komplett unfähig.

Durch ihre Pünktlichkeit war sie ein gutes Beispiel.“ ➠ Heißt: Gute Pünktlichkeit, aber mehr war offensichtlich nicht drin.

Er verstand es, alle Aufgaben erfolgreich zu delegieren.“ ➠ Heißt: Du warst nicht nur faul, sondern hast die Arbeit gekonnt auf Kollegen abgewälzt.

Er zeigte für seine Arbeit Verständnis und Interesse.“ ➠ Heißt: Interesse ja, aber gearbeitet hast du auf jeden Fall nicht.

Sie erledigte alle Aufgaben pflichtbewusst und ordnungsgemäß.“ ➠ Heißt: Du hast nur die Aufgaben gemacht, die man dir gesagt hat – aber ohne Eigeninitiative.

Er hat unseren Erwartungen im Wesentlichen entsprochen.“ ➠ Heißt: Deine Leistungen war schlichtweg mangelhaft.

Er verfügte über Fachwissen und ein gesundes Selbstvertrauen.“ ➠ Heißt: Mangelhaftes Fachwissen hast du mit deiner großen Klappe ausgeglichen.

Sie hat alle Aufgaben zu ihrem und im Interesse der Firma gelöst.“ ➠ Heißt: Du hast gestohlen oder bist durch ein schweres Vergehen aufgefallen.

Er trat sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens engagiert für die Interessen der Kollegen ein.“ ➠ Heißt: Du warst im Betriebsrat tätig oder hast dich gewerkschaftlich engagiert.

Wahnsinn oder? Selbst „Tabus“ werden mit diesen Zeugniscodes verschlüsselt. 

Und jetzt das codierte Notensystem in Bezug auf deine Leistung:

Sehr gut:

  • „Seine Leistungen haben in jeder Hinsicht unsere volle Anerkennung gefunden“
  • „Sie arbeitete stets zuverlässig und genau“
  • „Er hat vereinbarte Ziele selbst unter schwierigsten Bedingungen zumeist noch übertroffen“ 
  • „Sie hat neue Situationen stets sehr gut und sicher gemeistert“
  • „Seine Arbeitseinstellung war ausgezeichnet“

 

Gut:

  • „Er hat unseren Erwartungen in jeder Hinsicht und bester Weise entsprochen“
  • „Sie erledigte Aufgaben stets selbstständig mit großer Sorgfalt und Genauigkeit“
  • „Er zeigte Engagement und Initiative“
  • „Sie war stets aufgeschlossen und freundlich“

 

Ausreichend:

  • „Er hat unseren Erwartungen entsprochen“
  • „Erledigte zugeteilte Aufgaben zu unserer Zufriedenheit“
  • „Arbeitete sorgfältig und genau“ 

 

Mangelhaft:

  • „Er hatte Gelegenheit, alle innerhalb der Abteilung zu erledigenden Arbeiten kennen zu lernen“
  • „Sie entsprach im Allgemeinen den Anforderungen“
  • „Er zeigte nach Anleitung Fleiß und Ehrgeiz“

 

Ungenügend:

  • „Er hat nach Kräften versucht, die Leistungen zu erbringen, die wir an diesem Arbeitsplatz fordern müssen“
  • „Sie war um zuverlässige Arbeitsweise bemüht“
  • „Das Verhalten war im Wesentlichen tadellos“

 

Autsch, die letzten Formulierungen taten schon beim Zuhören weh. Wie steht es aber um dein Verhalten? 

2. Verhaltensbeurteilung

Zunächst die verschlüsselte FORMULIERUNGEN. Hierfür erwähnt man oftmals, deinen Umgang mit Vorgesetzten und Kollegen.

Im Umgang mit Vorgesetzten und Mitarbeitern war er/sie stets zuvorkommend, freundlich und korrekt“ ➠ Heißt: Du warst in jeder Hinsicht eine angenehme Arbeitskraft

Im Umgang mit Vorgesetzten und Mitarbeitern war er/sie stets freundlich und korrekt“ ➠ Heißt: Du warst eine freundliche und korrekte Arbeitskraft

Im Umgang mit Vorgesetzten und Mitarbeitern war er/sie korrekt“ ➠ Heißt: Du warst korrekt, aber nicht beliebt

Das Verhalten war ohne Tadel“ ➠ Heißt: Nun ja, man freut sich das du weg bist.

Durch seine Geselligkeit trug er zur Verbesserung des Betriebsklimas bei“ ➠ Heißt: Du hast oft getrunken oder warst der Klassenclown.

Und was bedeutet das in Hinblick auf das verschlüsselte NOTENSYSTEM?
  • Sehr gut: „Er wurde wegen seines freundlichen Wesens und seiner kollegialen Haltung bei Vorgesetzten und Mitarbeitern sehr geschätzt“
  • Gut: „Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern war einwandfrei“
  • Befriedigend: „Ihre Zusammenarbeit mit Kollegen und Mitarbeitern war gut“
  • Ausreichend: „Sein persönliches Verhalten war insgesamt einwandfrei“
  • Mangelhaft: „Sie war stets um ein gutes Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten bemüht“
  • Ungenügend: „Er hatte zu seinen Mitarbeitern ein weit besseres Verhältnis als zu seinen Vorgesetzten“

 

Es gibt noch einige Zwischensätze, die dir vielleicht unwichtig erscheinen, aber dennoch eine heftige Botschaft in sich tragen. Achte unbedingt auf folgende Sätze: 

3. Sonstige Bewertung

Sie war tüchtig und stets in der Lage, ihre Meinung zu vertreten“ ➠ Heißt: Du kannst keinerlei Kritik einstecken.

Wir wünschen ihm alles Gute und Gesundheit“ ➠ Heißt: Du hast mehr Krankmeldungen als erledigte Arbeit abgegeben.

Apropos Schlussformulierungen. Es gibt viele wissenschaftliche Studien zu Arbeitszeugnissen, bei denen festgestellt wurde, dass während eines Bewerbungsverfahren insbesondere der Schlussabsatz gelesen wird.

4. Schlussformulierungen

Schlusssätze verstärken einen positiven Gesamteindruck – können aber auch ein riesengroßes ABER verursachen und das Vorherige ironisch verzerren. Sie sind freiwillig und per se nicht durch das Gesetz vorgeschrieben. Ein überzeugender Schlussabsatz im Arbeitszeugnis enthält idealerweise diese drei wichtigen Elemente:

  • den Kündigungsgrund (eigene Kündigung, arbeitgeberseitige Kündigung, Befristung, Insolvenz, andere Gründe),
  • die “Dank und Bedauern”-Formel”
  • sowie Zukunftswünsche

Auch hier kommt es wieder auf die Feinheiten an. Zum Beispiel beim Kündigungsgrund:

“Sie verlässt uns auf eigenen Wunsch, was wir außerordentlich bedauern.” ➠ Heißt: Du warst eine Top-Arbeitskraft.

“Er verlässt uns auf eigenen Wunsch, was wir sehr bedauern”➠ Heißt: Man hätte dich gerne behalten

“Sie verlässt uns auf eigenen Wunsch” ➠ Heißt: Du hinterlässt keine größere Lücke

“Er verlässt uns in gegenseitigem Einvernehmen” ➠ Heißt: Du wurdest gekündigt bzw. man ist dankbar, dass du gehst

Wenn jedoch Bedauern oder Dankes- sowie Zukunftswünsche nicht enthalten sind, sagt das nichts Gutes über deine Arbeitsweise aus. Achte deshalb darauf, dass man dir im Arbeitszeugnis nicht bloß “für den weiteren Lebensweg“, sondern “für den weiteren Berufs- und Lebensweg alles Gute und weiterhin Erfolg” wünscht.

Wird die Ergänzung “Beruf” weggelassen, deutet das auf eine erfolglose Arbeit hin. Das wird vor allem dann negativ interpretiert, wenn noch zusätzliche Fehler hinzukommen. Deshalb musst du auch hier auf die Reihenfolge achten. 

Wird an erster Stelle die berufliche Zukunft und erst danach die private genannt, ist die Reihenfolge korrekt. Wenn dagegen erst oder sogar ausschließlich auf die private Zukunft hingewiesen wird – du legst offensichtlich mehr Wert auf ein ausgefülltes Privatleben und “glänzt” am Arbeitsplatz eher mit durchschnittlichen Leistungen. Kurz gesagt, auch Bewertungen von Dankes- und Zukunftswünsche reichen von „sehr gut“ bis „mangelhaft“.

  • Sehr gut: “Wir danken Herrn/ Frau XYZ ausdrücklich für den jahrelangen hervorragenden und engagierten Einsatz, bedauern sein Ausscheiden sehr und wünschen ihm beruflich wie privat alles Gute und weiterhin soviel Erfolg.”
  • Gut: “Wir danken Herrn Schmidt ausdrücklich für den jahrelangen stets engagierten Einsatz, bedauern sein Ausscheiden sehr und wünschen ihm beruflich wie privat alles Gute und weiterhin viel Erfolg.”
  • Befriedigend: “Wir danken Herrn Schmidt für den jahrelangen engagierten Einsatz, bedauern sein Ausscheiden und wünschen ihm beruflich wie privat alles Gute und Erfolg.”
  • Ausreichend: “Wir danken Herrn Schmidt für den Einsatz, bedauern sein Ausscheiden und wünschen ihm alles Gute.”
  • Mangelhaft: “Wir danken Herrn Schmidt für sein Ausscheiden und wünschen ihm alles Erdenkliche.”

Letzter Tipp

Für Unternehmen ist das Schreiben eines Arbeitszeugnisses mit viel Arbeit verbunden – und eigentlich eine Arbeit “die sich auch nicht mehr lohnt”, weil du das Unternehmen ja verlässt. Deshalb kann es passieren, du das glorreiche Angebot bekommst, dein Zeugnis einfach selbst zu schreiben… 

Ist das erlaubt? JAEIN! Das Gesetz sieht zwar einen Anspruch des Mitarbeiters gegenüber dem Unternehmen vor. Aber der Arbeitgeber kann nicht einfach einen unterschriftsreifen Zeugnisentwurf von dir verlangen. Umgekehrt ist der Arbeitgeber aber auch nicht verpflichtet, deinem Zeugnisentwurf zu folgen oder sich überhaupt detailliert damit auseinanderzusetzen. Solltest du dennoch in Bedrängnis geraten, dann…

  • Stell dich ruhig positiv dar. Lass deine Kernkompetenzen einfließen und sei hier nicht bescheiden. Erwähne deine herausragenden Erfolge, denn diese sind ein Beleg für deine Leistungsfähigkeit.
  • Befasse dich mit solchen verschlüsselten Formulierungen und dem Notensystem der Zeugnissprache. 
  • Bedenke deine Karrierepläne und berücksichtigen deine Ziele bei der Auflistung aller deiner Tätigkeiten. 

 

Eigentlich bietet dir das Schreiben deines eigenen Arbeitszeugnisses auch ungeahnte Vorteile. Immerhin beschäftigst du dich noch mal mit all deine Tätigkeiten, Stärken und Schwächen und bist so gewappnet für deine nächsten Jobinterviews.

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